Unsere Imkerei

Unsere Imkerei besteht inzwischen in der vierten Generation. Auch wenn sie sich zwischenzeitlich immer wieder ein wenig verlor, ist sie heute wieder in voller Blüte der Mittelpunkt unsere landwirtschaftlichen Betriebes. Dabei hatte alles ganz harmlos als Freizeitbeschäftigung meines Urgroßvaters angefangen.


Wie mein Urgroßvater begann

Mein Urgroßvater Rosenthal imkerte schon 1935 mit den ersten Magazinbeuten, aber auch mit Strohkörben. Zur Imkerei kam er durch den Rat eines Arztes.
Mein Urgroßvater 1935 an seinem Bienenstand

Die Imkerei hat in unserer Familie eine lange Tradition. Mein Urgroßvater kam 1935 zu den Bienen, nachdem ihm sein Arzt aufgrund von Atemwegsbeschwerden zu einem Hobby an der frischen Luft geraten hatte. So entschied er sich, seine Freizeit zu einem guten Teil den Bienen zu widmen. In der Lüneburger Heide war damals noch der klassische Bienenkorb, der Lüneburger Stülper, und die so genannte Korbimkerei sehr weit verbreitet, sodass er seine Bienen zum Teil in diesen Strohkörben, zum anderen aber auch in Stroh-Magazinbeuten hielt. Diese gehörten damals schon zu den moderneren Beuten, da sich in ihnen mit beweglichen Waben arbeiten ließ und sie somit die Honigernte deutlich vereinfachten.

Leider fand er irgendwann nicht mehr ausreichend Zeit für die Bienen, sodass er das Hobby ruhen ließ.


Neue Biene, neues Glück

Mein Großvater griff dieses 1978 wieder auf, das Interesse an den Bienen, mit dem er 44 Jahre zuvor infiziert worden war, setzte sich plötzlich wieder durch, sodass er sich wieder Bienen anschaffte. Während mein Urgroßvater zu seiner Zeit noch mit der Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera), unseren ursprünglich heimischen Honigbienenrasse, geimkert hatte, hatte in der Zwischenzeit in Deutschland der Trend hin zur Kärnter Biene (Apis mellifera carnica), meist als Carnica-Biene bekannt, eingesetzt. So wurde auch meinem Großvater zur Carnica geraten, da ihr nach guten Zuchterfolgen vermehrter Sanftmut, größerer Honigertrag und mehr Schwarmträgheit nachgesagt wurden. Dazu wurden einige Golz-Beuten selbst gebaut und einige Jahre lang guter Honig von den Moorwiesen im Teufelsmoor, zwischen Bremen und Hamburg gelegen, geerntet. Die Golz-Beuten, benannt nach dem Imkermeister Wolfgang Golz, waren gerade in Niedersachsen weiter verbreitet. Sie hatten den Vorteil, dass sie sich bequemer bearbeiten ließen.

Nach dem Einfall der Varroamilbe Ende der 1970er-Jahren wurde das Imkern komplizierter und aufwendiger, die Völkerverluste stiegen enorm, die Behandlungsmethoden waren noch nicht ausgereift, sodass auch mein Großvater die Imkerei wieder ruhen ließ.


Das ostdeutsche Beutensystem

2003 hat mein Vater noch einmal Bienen angeschafft. Das Interesse überträgt sich von Generation zu Generation und immer, wenn es schon fast in Vergessenheit geraten war, flammte es bald wieder auf. Da er nicht viel Zeit dazu hatte, wurde nur ein ganz kleiner Bienenwagen für drei Völker gekauft, in welches erstmal nur ein Bienenvolk einquartiert wurde. Die drei Bienenkästen auf dem Bienenwagen gehörten dem Typ der Hinterbehandlungsbeuten an. Dieser Beutentyp war der Standard in der DDR und ist dadurch auch heute noch insbesondere im Osten Deutschlands weit verbreitet.

Es sollte sich aber heraus stellen, dass man doch ein bisschen mehr Zeit in die Bienen investieren musste und als das Volk den Winter nicht überlebte, beließen wir es eben erstmal wieder dabei.


Die Imkerei im größeren Stil

Den kleine Bienenwagen haben wir auf dem Ökohof Fläming abgebaut und stattdessen die Beuten einzeln aufgestellt. Heute ist er ein Verkaufswagen
Der kleine Bienenwagen nach dem Abbau der alten Beuten zur Aufbereitung

Im Herbst 2009 fand ich dann Interesse an diesem alten Bienenwagen, der da hinten auf unserem Hof herum stand. Ich begann ihn wieder aufzuarbeiten und mich mit der Bienenhaltung tiefgründig auseinander zu setzen. Wie leben die Bienen? Was braucht man für die Imkerei? Wie geht man mit der Varroamilbe um? Welchen zeitlichen und finanziellen Aufwand muss man tätigen? Welches Beutensystem hat welche Vor- und Nachteile? usw.

Ich stellte einige Listen auf, was anzuschaffen wäre und was wir noch von früher hatten. Nun war ich gut gerüstet mein Projekt Imkerei im Jahr 2010 anzugehen. Wir waren in unseren hiesigen Imkerverein eingetreten und hatten schon zwei Fachzeitschriften abonniert, zahlreiche Bücher gewälzt, die bislang im Regal verstaubten. Im Januar folgte dann ein zweitägiger Lehrgang zur Einführung in die Bienenhaltung und die Honigproduktion nach den Richtlinien des Deutschen Imkerbundes (DIB). Bei diesem erhielt ich sogleich ein Zertifikat, mit welchem ich seit diesem Tage berechtigt bin, meinen Honig mit dem Gewährverschluss des DIB im Einheitsglas zu verkaufen. Nachdem ich mich nun aber auch schon intensiv mit dem Thema Vermarktung auseinander gesetzt hatte, war ich mir darüber im Klaren, dass sich mein Honig so nicht von anderem Honig abheben würde. Da ich schon damals die Öko-Bienenhaltung anstrebte, zählte für mich weniger das Zertifikat an sich als vielmehr die Kenntnis über das Erreichen der Qualitätsstandards des DIB. Diese sind noch etwas strenger als es nach der Honigverordnung vorgeschrieben ist, sodass sich der Honig im DIB-Standard qualitativ deutlich vom Billighonig aus Supermärkten absetzt.

Großer Bienenwagen der Imkerei Ökohof Fläming von Familie Rosenthal
Unser großer Bienenwagen für 32 Völker

Im Februar wurde dann endlich unser neuer Bienenwagen mit Platz für 32 Bienenvölker gebracht. Ich habe mich sogleich an die Aufbereitung dessen gemacht, sodass schon im März die ersten zehn Völker einziehen konnten. Durch Ableger vermehrten wir in den kommenden Jahren immer weiter und konnten teilweise Bienenvölker abgeben, sodass wir heute bei 32 Völkern sind.

Im April 2012 wurde dann endlich die Anerkennung als ökologisch wirtschaftende Imkerei beantragt. Die einjährige Umstellungszeit schlossen wir somit im April 2013 ab. Seitdem produzieren wir Honig aus ökologischer Bienenhaltung produzieren und können auf die Einhaltung biologischer bzw. ökologischer Betriebsweisen verweisen.

Da ich merkte, dass auch in der Öffentlichkeit und in meinem Umfeld zunehmend Interesse an den Bienen und der Imkerei aufkam, begann ich, mein inzwischen umfangreiches Wissen in Vorträgen aufzubereiten und es auf diesem Wege weiter zu geben. Seitdem habe ich einige Vorträge gehalten, sodass auch das inzwischen Routine bekommen hat und die Aufregung von den ersten Vorträgen schon fast vergessen ist. So bekomme ich immer wieder Anfragen für Vorträge, die ich stets gern annehme.